75 Jahre Tischtennis in Westerstede

Der 2. Weltkrieg war gerade vorbei, als bei der TSG Westerstede im Sommer des Jahres 1945 mit Tischtennis eine neue Abteilung aus der Taufe gehoben wurde und damit noch 2 Jahre bevor der Tischtennisverband Niedersachsen (TTVN) seine Arbeit aufnahm.

Die junge Sportart wurde von durch die Kriegswirren nach Westerstede verschlagenen Männern populär gemacht. Zu den Gründungsvätern, die im alten Saal des bekannten Hotels Voss, im 2. Stock gelegen, regelmäßig spielten, gehörte auch Eduard Roderich Dietze, der später als Nationalspieler und TTVN-Sportwart bekannt wurde. Nach dem von ihm erfundenen Dietze-Paarkreuzsystem spielen noch heute viele Mannschaften im Bereich des Deutschen Tischtennis-Bundes (DTTB). Weitere Gründungsmitglieder waren Ernst Mrutzek, Toni Eckert, Lambertus Coldewey, Ewald Jutsch, Siegfried Eisfeld und Günther Helms.

Manches Mal musste zu der Zeit bei Kerzenlicht gespielt werden, weil Stromabschaltungen das elektrische Licht der Tiefstrahler ausfallen ließ. Die damals noch geriffelten Bälle waren mehrfach geflickt, wie ich in alten Dokumenten gelesen habe.

Ein besonderes Ereignis war zweifellos die erste Tischtennis-Kreismeisterschaft im Jahre 1947 im Hotel Voss. Anfang der fünfziger Jahre nahm Ewald Jutsch die Führung der Abteilung in die Hand, dem sich Arno Dombrowski, der auch als Bezirksjugendwart tätig war, anschloss. Die 1. Mannschaft der TSG 1951 mit Günther Helms, Siegfried Eisfeld, Bruno Meyer, Horst Haberland, Horst Dolfen und Wolfgang Wahlich stieg in dieser Zeit bis in die Oberliga auf.

Im gleichen Jahr fand auch ein Freundschaftsspiel gegen den VFL Bad Zwischenahn statt, der 1950 Niedersachsenmeister mit der Jugendmannschaft wurde; von dieser Begegnung existiert auch ein Foto; in der oberen Reihe sind die TSG-er Günther Helms, Otto Eisfeld, Bruno Meyer, Horst Haberland, ein Reporter mit Namen Plötz sowie Wolfgang Wahlich sowie unten die 4 Jungen vom VFL zu sehen.

Teams von Bad Zwischenahn und der TSG nach einem Freundschaftsspiel 1951

Zu den Aktiven des VFL gehörten mit Erich Bruns (2014 verstorbener Seniorchef der Firma AMF-Bruns aus Apen) sowie Günther Hullmann (Inhaber der gleichnamigen Bäckerei Am Esch, in Westerstede, heute Bäckerei Pieper, am gleichen Ort.) zwei spätere TSG-er. Die beiden Spieler schlossen sich zu Beginn der Sechzigerjahre ebenfalls der TSG an und wirkten viele Jahre bei uns mit; wenn ich mich recht erinnere bis Anfang der Achtziger Jahre.

Hans Friedrich holte von 1953 – 1957 mehrere niedersächsische Einzeltitel nach Westerstede und wird Deutscher Meister im Jungen-Doppel 1954. Eine herausragende Begebenheit war 1954 ein Vergleichskampf der Landesauswahl Niedersachsen gegen die schwedische Nationalmannschaft in der Aula der Oberschule, wo auch unser Hans Friedrich mitwirkte.

Mitte der fünfziger Jahre trat eine Krise ein und der Spielbetrieb ruhte für kurze Zeit, 1958 erweckt Günther Helms die Abteilung zu neuem Leben.

Unter Helmut Sprenger, der von 1960 – 1980 als Abteilungsleiter fungierte, wächst die TSG zu einem der führenden Tischtennisvereine im Nordwesten heran. Die 1. Herren der TSG aus dem Jahr 1960 mit Klaus Ruchatz, Dieter Kiausch, Günther Helms, Werner Globisch, Hans Engelke und Helmut Sprenger. ( s. anl. Foto ).

Erste Herren der TSG 1960

Helmut Sprenger, der im Februar dieses Jahres im Alter von 85 Jahren leider verstorben ist, stand auch lange Jahre dem Kreisverband vor und hatte viele Jahre das Amt des Bezirkspressewartes inne. Er war in diesen Jahren immer unsere treibende Kraft.

Besondere Highlights, verbunden mit persönlichen Erinnerungen waren: 1970: 25 Jahr-Feier am Gründungsort; 1975: Austragung der Niedersachsenrangliste Damen/Herren zur Einweihung der großen Hössensporthalle; 1976: Unsere Jungenmannschaft wird Niedersachsenmeister; auf dem anliegenden Foto von links n. rechts Uwe Claaßen, Jens-Peter Schwarck, Betreuer und Trainer Rolf Claaßen, Wilfried Lindhorst, Uwe Setje-Eilers, Rolf Hobbie und Axel Brunner. Besonders in guter Erinnerung ist bei mir, dass unser Abteilungs-Vorstand mit Helmut Sprenger und Erich Bruns als 2. Vorsitzender kurzfristig einen feierlichen Empfang des erfolgreichen Teams in unserem Vereinslokal nach der Rückkehr organisiert hatte.

Niedersachsenmeister 1975

In der Zeit von 1977 – 1981 erringen die Nachwuchsspieler Axel Brunner und Gerald Auler zahlreiche Titel auf Landes-, Norddeutscher- und sogar auf Bundesebene. Beide wechseln später in die Bundesliga nach Bremen bzw. Berlin. Mitte der Neunziger Jahre stand unsere Nachwuchsspielerin Katja Kohn mit vielen Erfolgen für die TSG in Niedersachsen im Rampenlicht. Höhepunkt im Jahr 1995 war die große 50- Jahrfeier, u.a. fand ein Einladungsturnier mit Ehemaligen und befreundeten Vereinen in der Brakenhoffhalle ( s. Foto) sowie ein großer Festball mit weit über 200 Tischtennisfreunden im Hotel Voss statt.

50-Jahr-Feier der TSG Westerstede

In den Jahren 1999, 2008 und 2010 waren besonders die Senioren erfolgreich: sie wurden jeweils Mannschaftsmeister Ü40 u. 50 in Niedersachsen; 2010 schaffte die Mannschaft mit Horst Claaßen, Rolf Claaßen, Ingo Böger, Joachim Hartmann sowie Wilfried Lindhorst sogar die Teilnahme an der Deutschen Meisterschaft im saarländischen Merzig.

In der am 12. März aufgrund der Corona-Krise abgebrochenen aktuellen Saison lag das Ü60-Team der TSG mit Joachim Hartmann, Rolf Claaßen, Holger Lebedinzew, Horst Claaßen und Hermann Dreyer ( s. Foto) ungeschlagen auf Platz 1 der Niedersachsenliga, der geplante Spieltag am 18.04. in Westerstede konnte leider nicht mehr ausgetragen werden.

Senioren-Mannschaftsmeister

Besondere Ereignisse für Sportler aus Westerstede waren außerdem:

1981 – 1989: Mehrfacher Besuch eines der größten seinerzeitigen Turniers Europas im dänischen Esbjerg;

1990 – 1993: Teilnahmen an der Kinderolympiade in Düsseldorf

2006 und 2013: Teilnahme der TSG an der Senioren-Welt- und Europameisterschaft in Bremen, wo jeweils 3500 Teilnehmer an 150 Tischen am Start waren.

Bei Freundschaftsspielen gegen Vereine aus Furtwangen, Göttingen, Sachsen und Köln wurden viele Freundschaften geknüpft; hinzu kamen unzählige Besuche von Welt- und Europameisterschaften in Deutschland und ganz Europa, wo wir die Top-Sportler im Tischtennis live erleben konnten. Natürlich waren wir auch 1989 in Dortmund unter den damals 12000 Zuschauern in der Westfalenhalle als Jörg Roßkopf und Steffen Fetzner Weltmeister im Doppel wurden und 2008 in Beijing war ich persönlich Zeuge vor Ort als Deutschland im Endspiel gegen China die Silbermedaille bei der Olympiade holte. Für mich war das eins meiner größten Tischtennis-Erlebnisse überhaupt.

Auch als Ausrichter großer Turniere machte sich die TSG Westerstede in der Niedersächsischen Tischtennisfamilie einen Namen; ob die 45. Auflage im Dezember aufgrund der Corona-Krise stattfinden kann, steht z. Zt. noch in den Sternen. 2019 fanden 554 Teilnehmer den Weg in die Westersteder Brakenhoffsporthalle. Eine besondere Begebenheit bei unserem Turnier, an die ich noch heute gerne zurückdenke, war 1989, kurz nach Öffnung der Grenzen, die erstmalige Teilnahme von Sportlern aus dem anderen Teil Deutschlands, genauer gesagt aus Kirchberg in Sachsen. Noch heute hält diese Sportfreundschaft an. Ein Jahr später, bei der 15. Auflage hielt uns die Teilnahme der Ägyptischen Nationalmannschaft im wahrsten Sinne des Wortes in Atem. Die 17-köpfige Delegation vom Nil, die unser Turnier mit der internationalen Deutschen Meisterschaft verwechselt hatte, beanspruchte unsere organisatorischen, nervlichen und finanziellen Möglichkeiten bis an den äußersten Rand, wie mir die damals Beteiligten bestätigen werden.

Erwähnen möchte ich in der Rückschau auch noch unsere Trainingsstätten, wo wir so manche schöne Stunde in den 75 Jahren verbracht haben: nach dem Beginn im Saal von Voss erfolgte noch in den Vierziger Jahren der Umzug in die alte TSG-Turnhalle bei Blumen-Friedrich; von 1952 – 1954 waren wir in der kleinen Hössenturnhalle aktiv. Von 1954 bis Frühjahr 1983 war die geliebte alte Brakenhoffhalle in der Kirchenstr. unser Domizil, wo wir so manchen Gegner, nicht nur durch die unheimliche Heizung zum Schwitzen brachten. Die Älteren werden wissen, was damit gemeint war.

1977 kam die Dannemann-Sporthalle und im Herbst 1983 die neue große Brakenhoffsporthalle hinzu, welche die Expansion unserer Abteilung auch räumlich unterstützten.

Neben den Aktiven, die am offiziellen Wettkampfgeschehen teilnehmen, gibt es in der Abteilung seit 21 Jahren eine Hobbygruppe, die seinerzeit von dem inzwischen verstorbenen Gerhard Rust ins Leben gerufen wurde. Die Freude am Sport, die Beibehaltung der Beweglichkeit und der Reaktionsschnelligkeit sowie das zwanglose Beisammensein mit Gleichgesinnten waren damals und ist auch heute der Grund für das wöchentliche Treffen dieser Gruppe.

Zur Unterstützung der Jugendarbeit und zur langfristigen Etablierung des Tischtennissportes in Westerstede wurde 2017 außerdem ein Förderverein gegründet. Seit dem 3. Februar 2020 bin ich der Vorsitzender dieses Vereins. Die ersten 3 Jahre hat unser lieber Anno Wilts tolle Vor- und Aufbauarbeit hierfür geleistet. Er ist jetzt der 2. Vorsitzende. Ich hoffe, dass alle Aktiven einschl. der Hobbygruppe sich diesem Verein anschließen, denn letztendlich provitieren alle davon!

An dieser Stelle sollte nicht unerwähnt bleiben, dass sich ein Vereinsleben nicht nur bei Wettkämpfen abspielt, sondern gesellige Veranstaltungen prägen einen Verein und lassen aus ihm eine Familie werden. Hierzu gehören bei der Tischtennisabteilung der TSG die jährliche Kohltour, die Spargeltour, seit 30 Jahren das Boßeln und die Feste bei und mit befreundeten Vereinen. Außerdem findet jeweils zu Beginn einer Saison unsere Vereinsmeisterschaft statt.

Namentlich nennen möchte ich auch die beiden ältesten Aktiven, aber durch unseren Sport junggebliebenen Carlo Grell und Joachim Hartmann, die mit 74 u. 72 Jahren noch regelmäßig an den Punktspielen und weiteren Wettbewerben teilnehmen.

Ebenfalls seien an dieser Stelle die langjährigen Mitstreiter Daniel Sparding, Jens Hock, Steffen Weiers, Horst Claaßen, Terje Weise, Rainer Winter und Adrian Gerdes genannt, die immer zur Stelle waren und sind, wenn es erforderlich war bzw. ist.

Am 22. und 23. August sollte das Jubiläum mit einem Treffen von Ehemaligen, befreundeten Vereinen sowie den aktuellen Aktiven kräftig gefeiert werden. Dieses muss aufgrund der Corona-Pandemie leider ausfallen; soll jedoch, falls dann möglich, auf den 24. und 25. April 2021 verschoben werden.

Unser regelmäßiger Übungsbetrieb ist inzwischen unter Berücksichtigung der Corona-Vorschriften des DTTB/DOSB auch wieder aufgenommen worden, wie allen bekannt ist.